Sommerhitze und Auto – diese Schäden drohen bei hohen Temperaturen
Hohe Temperaturen sind nicht nur für Menschen eine Belastung. Auch Fahrzeuge können unter starker und anhaltender Sommerhitze leiden. Reifen, Batterie, Kühlsystem, Klimaanlage und verschiedene Bauteile im Innenraum werden bei hohen Temperaturen besonders beansprucht. Bei modernen Fahrzeugen kommen zahlreiche elektronische Komponenten hinzu, die ebenfalls empfindlich auf einen starken Hitzestau reagieren können.
Wer sein Fahrzeug im Sommer richtig schützt und einige grundlegende Kontrollen durchführt, kann das Risiko von Pannen und kostspieligen Schäden deutlich reduzieren. In diesem Beitrag erfahren Sie, welche Fahrzeugbereiche besonders gefährdet sind und worauf Sie an heißen Tagen achten sollten.
Wie heiß kann es in einem Fahrzeug werden?
Ein geschlossenes Fahrzeug heizt sich in direkter Sonneneinstrahlung innerhalb kurzer Zeit stark auf. Selbst wenn die Außentemperatur „noch“ vergleichsweise angenehm erscheint, können im Innenraum Temperaturen von 60 Grad Celsius und mehr entstehen. Ein leicht geöffnetes Fenster reicht nicht aus, um diesen Hitzestau zuverlässig zu verhindern.
Die hohen Temperaturen belasten nicht nur Menschen und Tiere, sondern auch Materialien und technische Komponenten. Besonders betroffen sind das Armaturenbrett, Kunststoffverkleidungen, Displays, elektronische Geräte und im Fahrzeug zurückgelassene Gegenstände.
Wichtig: Kinder und Tiere dürfen deshalb niemals allein in einem abgestellten Fahrzeug zurückgelassen werden. Auch nicht für wenige Minuten!
Reifen: Hitze erhöht die Belastung
Reifen sind während der Fahrt dauerhaft hohen Kräften ausgesetzt. Im Sommer kommen die aufgeheizte Fahrbahn und hohe Außentemperaturen hinzu. Dadurch erwärmt sich die Luft im Reifen
und der Reifendruck steigt.
Ein grundsätzlich höherer Reifendruck während der Fahrt ist zunächst normal. Problematisch wird es jedoch, wenn die Reifen bereits beschädigt, überaltert, falsch befüllt oder stark abgefahren sind. Besonders bei längeren Autobahnfahrten, hoher Geschwindigkeit und einem voll beladenen Fahrzeug kann die Belastung erheblich zunehmen.
Vor längeren Fahrten sollten deshalb folgende Punkte kontrolliert werden:
Der Reifendruck sollte immer am kalten Reifen geprüft und entsprechend den Herstellerangaben angepasst werden. Für ein voll beladenes Fahrzeug können andere Werte gelten als im normalen Alltagsbetrieb.

Klimaanlage: Komfort und Sicherheit bei hohen Temperaturen
Eine funktionierende Klimaanlage sorgt nicht nur für mehr Komfort. Angenehme Temperaturen im Innenraum unterstützen auch die Konzentrations- und Reaktionsfähigkeit des Fahrers.
Damit die Klimaanlage das aufgeheizte Fahrzeug möglichst effizient kühlen kann, sollten vor Fahrtbeginn zunächst Türen oder Fenster geöffnet werden. So kann die angestaute heiße Luft entweichen. Anschließend kann die Klimaanlage kurzzeitig im Umluftbetrieb arbeiten. Sobald eine angenehme Temperatur erreicht ist, sollte wieder auf Frischluftzufuhr umgestellt werden.
Die Temperatur im Innenraum sollte nicht unnötig niedrig eingestellt werden. Eine zu große Differenz zur Außentemperatur belastet den Kreislauf und erhöht den Energieverbrauch. Als Orientierung eignen sich Innenraumtemperaturen von etwa 22 bis 25 Grad Celsius.
Lässt die Kühlleistung nach, entstehen ungewöhnliche Geräusche oder entwickelt sich ein unangenehmer Geruch, sollte die Klimaanlage überprüft werden. Mögliche Ursachen sind fehlendes Kältemittel, Undichtigkeiten, ein verschmutzter Innenraumfilter oder Ablagerungen im System.
Starterbatterie: Nicht nur Kälte kann Probleme verursachen
Viele Fahrzeughalter verbinden Batterieprobleme vor allem mit dem Winter. Doch auch hohe Temperaturen können einer Starterbatterie zusetzen. Wärme beschleunigt die chemischen Prozesse innerhalb der Batterie und kann dadurch ihre Alterung fördern.
Hinzu kommt, dass im Sommer zahlreiche elektrische Verbraucher genutzt werden. Klimaanlage, Gebläse, Navigationssystem, Infotainment und weitere Komfortfunktionen beanspruchen das Bordnetz. Ist die 12-Volt-Batterie bereits geschwächt, kann sich dies durch Startprobleme oder Fehlermeldungen bemerkbar machen.
Das betrifft nicht nur Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor. Auch Elektroautos verfügen in der Regel über eine separate 12-Volt-Batterie, die für Steuergeräte, Verriegelungssysteme und weitere elektrische Funktionen benötigt wird. Fällt diese Batterie aus, kann unter Umständen auch ein Elektroauto nicht mehr gestartet beziehungsweise fahrbereit gemacht werden.
Kühlsystem: Schwerstarbeit für den Motor
Bei Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor muss das Kühlsystem dafür sorgen, dass der Motor auch bei hohen Außentemperaturen innerhalb seines vorgesehenen Temperaturbereichs arbeitet. Besonders im Stau, bei langen Steigungen, im Anhängerbetrieb oder bei hoher Beladung wird das System stark beansprucht.
Ein zu niedriger Kühlmittelstand, undichte Leitungen, ein verschmutzter Kühler oder ein defekter Lüfter können dazu führen, dass der Motor überhitzt. Eine entsprechende Warnleuchte oder eine auffällig hohe Temperaturanzeige sollte daher niemals ignoriert werden.
Steigt die Motortemperatur ungewöhnlich stark an, sollte das Fahrzeug an einer sicheren Stelle abgestellt und der Motor ausgeschaltet werden. Der Verschluss des Kühlsystems darf bei heißem Motor nicht geöffnet werden. Das unter Druck stehende, heiße Kühlmittel kann schwere Verbrühungen verursachen.
Vor längeren Sommerfahrten empfiehlt es sich, den Kühlmittelstand bei kaltem Motor zu kontrollieren. Ein wiederholt sinkender Stand sollte von einem Fachbetrieb überprüft werden.

Steinschläge und Glasschäden: Temperaturunterschiede vermeiden
Bereits vorhandene Steinschläge in der Windschutzscheibe können sich bei starken Temperaturunterschieden vergrößern. Besonders problematisch ist es, wenn eine stark aufgeheizte Scheibe innerhalb kurzer Zeit deutlich abgekühlt wird.
Die Klimaanlage sollte deshalb nicht sofort mit maximaler Leistung direkt auf die heiße Windschutzscheibe gerichtet werden. Auch kaltes Wasser ist nicht geeignet, um eine aufgeheizte Scheibe schnell herunterzukühlen. Durch die entstehenden Spannungen kann aus einem kleinen Steinschlag ein längerer Riss werden.
Kleine Schäden in der Windschutzscheibe sollten möglichst frühzeitig geprüft werden. Ob eine Reparatur möglich ist oder die Scheibe ersetzt werden muss, hängt unter anderem von Größe, Position und Art der Beschädigung ab.
Lack und Kunststoffteile: Direkte Sonne hinterlässt Spuren
Intensive Sonneneinstrahlung kann Fahrzeuglacke, Dichtungen und Kunststoffteile langfristig belasten. Besonders UV-Strahlung führt dazu, dass Farben ausbleichen und Kunststoffe spröde werden können.
Zusätzlich können Vogelkot, Insektenreste und Baumharz bei hohen Temperaturen auf dem Lack antrocknen oder sich stärker in die Oberfläche einarbeiten. Solche Verschmutzungen sollten deshalb möglichst zeitnah und schonend entfernt werden.
Auch im Innenraum können dauerhafte Sonneneinstrahlung und hohe Temperaturen Spuren hinterlassen. Armaturenbretter, Lenkräder, Sitzbezüge und Kunststoffverkleidungen können ausbleichen, sich verformen oder frühzeitig altern. Ein schattiger Parkplatz, eine Garage oder eine reflektierende Abdeckung für die Windschutzscheibe können die Wärmebelastung reduzieren.
Bildschirme und Elektronik: Wenn moderne Fahrzeugtechnik zu heiß wird
Moderne Fahrzeuge verfügen über zahlreiche elektronische Komponenten. Digitale Kombiinstrumente, große Touchscreens, Navigationssysteme, Kameras, Sensoren und Steuergeräte sind aus vielen Autos nicht mehr wegzudenken.
Fahrzeugelektronik ist grundsätzlich für große Temperaturschwankungen ausgelegt. Bei extremer Hitze können Schutzmechanismen jedoch einzelne Funktionen vorübergehend einschränken. Displays können langsamer reagieren, sich abdunkeln oder zeitweise abschalten. Auch Kameras und Assistenzsysteme können bei ungünstigen Bedingungen vorübergehend nicht oder nur eingeschränkt verfügbar sein. Entsprechende Warn- und Fehlermeldungen sollten beobachtet und bei wiederholtem Auftreten überprüft werden.
Besonders gefährdet sind nachträglich im Fahrzeug zurückgelassene Geräte wie Smartphones, Tablets, Navigationsgeräte, Dashcams und Powerbanks. Lithium-Ionen-Akkus können durch starke Hitze dauerhaft an Kapazität verlieren, sich verformen oder im Extremfall ein Sicherheitsrisiko darstellen. Elektronische Geräte sollten daher nicht offen im aufgeheizten Fahrzeug liegen bleiben.
Besonderheiten bei Elektroautos
Auch Elektroautos sind für den Betrieb bei sommerlichen Temperaturen ausgelegt. Die Hochvoltbatterie verfügt in der Regel über ein eigenes Temperaturmanagement, das sie innerhalb eines geeigneten Temperaturbereichs halten soll.
Bei großer Hitze kann die Kühlung der Batterie zusätzliche Energie benötigen. Gleichzeitig wird die Klimaanlage bei einem Elektroauto aus der Hochvoltbatterie
versorgt. Dadurch kann sich die verfügbare Reichweite vorübergehend verringern. Der zusätzliche Verbrauch durch die Innenraumkühlung fällt jedoch häufig geringer aus, als viele Fahrer vermuten.
Viele Elektroautos lassen sich bereits während des Ladevorgangs per App oder Zeitschaltung vorklimatisieren. In diesem Fall wird die Energie für das Herunterkühlen des Innenraums ganz oder teilweise aus dem Stromnetz bezogen. Das erhöht den Komfort und schont die verfügbare Reichweite zu Fahrtbeginn.
Eine gelegentliche hohe Außentemperatur führt nicht automatisch zu einem Batterieschaden. Dauerhafte extreme Wärme und häufiges Abstellen in der prallen Sonne können die Batteriealterung jedoch begünstigen. Deshalb empfiehlt es sich, nach Möglichkeit einen schattigen Stellplatz zu nutzen und die Hinweise des Fahrzeugherstellers zum Laden und Parken zu beachten.
Wer den tatsächlichen Zustand der Hochvoltbatterie beurteilen lassen möchte, kann einen professionellen Batterietest durchführen lassen. Dabei werden wichtige Zustandsdaten ausgewertet, um die Leistungsfähigkeit der Batterie besser einzuschätzen.
Gefährliche Gegenstände im aufgeheizten Fahrzeug
Einige Gegenstände können bei großer Hitze zu einer unmittelbaren Gefahr werden. Dazu gehören insbesondere:
Viele Medikamente dürfen nur innerhalb bestimmter Temperaturbereiche gelagert werden und können bei großer Hitze ihre Wirksamkeit verlieren. Akkus und Druckbehälter können sich verformen, undicht werden oder im Extremfall einen Brand verursachen.
Solche Gegenstände sollten deshalb nicht dauerhaft im Fahrzeug aufbewahrt werden.
So schützen Sie Ihr Fahrzeug bei Sommerhitze
Bereits einfache Maßnahmen können helfen, die Belastung für Fahrzeug und Technik zu reduzieren. Parken Sie nach Möglichkeit im Schatten oder in einer Garage. Beachten Sie dabei, dass sich der Sonnenstand im Laufe des Tages verändert.
Eine reflektierende Abdeckung hinter der Windschutzscheibe verringert die direkte Sonneneinstrahlung auf das Armaturenbrett. Vor Fahrtbeginn sollte das Fahrzeug gründlich gelüftet werden. Kontrollieren Sie außerdem regelmäßig Reifen, Kühlmittelstand und Warnanzeigen.
Vor einer längeren Urlaubsfahrt ist ein zusätzlicher Fahrzeugcheck sinnvoll. So lassen sich mögliche Schwachstellen erkennen, bevor hohe Temperaturen, lange Strecken und eine starke Beladung das Fahrzeug zusätzlich beanspruchen.
Fazit
Sommerhitze stellt Reifen, Batterie, Kühlsystem, Klimaanlage und elektronische Komponenten vor besondere Herausforderungen. Viele Schäden und Pannen kündigen sich jedoch frühzeitig an oder lassen sich durch regelmäßige Kontrollen vermeiden.
Achten Sie auf Warnanzeigen, ungewöhnliche Geräusche, nachlassende Kühlleistung und sichtbare Schäden. Besonders vor langen Fahrten sollten der Reifendruck, der Zustand der Reifen und die wichtigsten Betriebsflüssigkeiten überprüft werden. So bleibt Ihr Fahrzeug auch bei hohen Temperaturen sicher und zuverlässig.
Bei direkter Sonneneinstrahlung kann sich der Innenraum eines abgestellten Fahrzeugs auf 60 Grad Celsius und mehr aufheizen. Auch leicht geöffnete Fenster verhindern diesen Hitzestau nicht zuverlässig.
Hitze allein führt bei einem technisch einwandfreien Reifen normalerweise nicht zu einem Reifenschaden. Falscher Reifendruck, Überladung, Vorschäden, hohes Alter und starker Verschleiß können das Risiko bei hohen Temperaturen und langen Fahrten jedoch deutlich erhöhen.
Nein. Der Reifendruck sollte bei kalten Reifen kontrolliert und entsprechend den Angaben des Fahrzeugherstellers eingestellt werden. Der während der Fahrt entstehende Druckanstieg ist normal und sollte nicht durch Ablassen von Luft ausgeglichen werden.
Ja. Hohe Temperaturen können die chemische Alterung einer 12-Volt-Batterie beschleunigen. Ist die Batterie bereits geschwächt, können sich Probleme durch die zusätzliche Belastung elektrischer Verbraucher bemerkbar machen.
Elektroautos verfügen normalerweise über ein Temperaturmanagement für die Hochvoltbatterie. Große Hitze führt daher nicht automatisch zu einem Schaden. Dauerhafte extreme Temperaturen können die Batterie jedoch zusätzlich belasten und ihre Alterung begünstigen.
Die Klimatisierung des Innenraums und die Kühlung der Batterie benötigen Energie. Dadurch kann sich die Reichweite vorübergehend reduzieren. Wie groß der zusätzliche Verbrauch ausfällt, hängt unter anderem von Außentemperatur, Fahrzeugmodell, gewünschter Innenraumtemperatur und Fahrdauer ab.
Fahrzeugdisplays sind für hohe Temperaturschwankungen ausgelegt. Bei extremer Hitze können sie sich jedoch vorübergehend abdunkeln, langsamer reagieren oder abschalten. Nachträglich im Auto zurückgelassene Smartphones, Tablets oder Navigationsgeräte sind häufig empfindlicher und sollten nicht im aufgeheizten Fahrzeug liegen bleiben.
Starke und plötzliche Temperaturunterschiede können Spannungen im Glas verursachen. Besonders bei einem vorhandenen Steinschlag kann daraus ein größerer Riss entstehen. Die heiße Scheibe sollte deshalb schrittweise abgekühlt werden.
Der Verschluss des Kühlsystems darf bei heißem Motor nicht geöffnet werden. Das System kann unter Druck stehen und heißes Kühlmittel austreten. Lassen Sie den Motor vollständig abkühlen und beachten Sie die Angaben in der Betriebsanleitung.
Feuerzeuge, Spraydosen, Powerbanks, Smartphones, andere Geräte mit Akku und temperaturempfindliche Medikamente sollten nicht in einem aufgeheizten Fahrzeug zurückgelassen werden.


